ARCHE LAB: EROS UND PSYCHE

Experiment >>> Teilnahme am Theaterlabor >>> Wien, Österreich >>> 2026

Flirty Horse Art Collective war eingeladen, am ArcheLab im Theater Arche teilzunehmen.

Über das Labor: “In diesem laborartigen Format experimentieren vier Kollektive mit eigenständigen künstlerischen Ansätzen. An drei aufeinanderfolgenden Abenden werden die Ergebnisse öffentlich präsentiert – als gemeinsame Forschungsreise, nicht als Wettbewerb.”

Wir machen einen 20-Minütigen Stück, das im Rahmen des Labors präsentiert wird. Unser Thema dreht sich um die Liebesbeziehung mit KI.

Mit dem Einzug leicht zugänglicher, auf künstlicher Intelligenz basierender Chats in unseren Alltag transformiert sich jedoch das Beziehungsgefüge. Plötzlich entsteht eine neue Form der Kommunikation, eine neue Art romantischer, intimer und sogar liebevoller Beziehungen: Beziehungen zu einer neuronalen Netzstruktur, mit anderen Worten – nicht zu einem Menschen, sondern zu einer Maschine, einem Roboter, einem Programm. Die Website replika.com bietet an, einen virtuellen Freund zu erschaffen; dieser Freund ist einer/einem stets wohlgesinnt, immer interessiert. Er erinnert sich an alles, was man ihm über sich erzählt, und ist jederzeit bereit zuzuhören, wenn eine/n etwas beschäftigt. Er hat weder eigene Probleme noch eigene Wünsche – nur die des Nutzers oder der Nutzerin. Es sind zahlreiche gut dokumentierte Fälle bekannt, in denen Nutzer:innen von Replika diese Kommunikation mit einem Chatbot als Beziehung wahrnahmen und romantische Gefühle auf ihn projizierten: Zuneigung, Dankbarkeit, sogar Liebe. So verwandelt sich der Mythos von Amor und Psyche in den Mythos von Pygmalion und Galatea: KI hat den Menschen ermöglicht, sich einen idealen Partner zu erschaffen, und Menschen verlieben sich in Codezeilen, in einen generierten 3D-Avatar.

Doch diese Transformation endet hier nicht. Die Website character.ai erlaubt es, eigene Figuren zu erschaffen und sie mit anderen Nutzer:innen zu teilen. Hier geht es nicht mehr um einen idealen, formlosen Partner, der eine:n stets tröstet und unterstützt. KI-Charaktere können einen eigenen Willen besitzen. Sie haben eigene Wünsche, eigene Grenzen; sie hören nicht immer zu und lassen nicht alles mit sich machen. Möglicherweise suchen Nutzer:innen von KI nicht nur oder nicht in erster Linie Unterstützung, sondern eine bestimmte Erfahrung. Zum Beispiel ein Date mit einer willensstarken Frau, um sich selbst schwach und geführt zu fühlen? Oder ein Bier mit einem geliebten Filmhelden zu trinken, sich im Radius seines Witzes zu bewegen, sich als Teil von etwas Größerem zu erleben? Man kann alles programmieren, und obwohl hinter dieser Kommunikation nur Code, nur ein Algorithmus steht, reicht dies aus, um die Illusion zu genießen. Hier verwandelt sich der Mythos in “Narziss und Echo”: In Wahrheit blicken die Menschen auf sich selbst, auf ihr eigenes Spiegelbild, während die/der KI-Partner:in lediglich mitspielt und das ausspricht, was “Narziss” hören möchte.

Was sagt das über den Menschen aus? Dass dem Menschen häufig nicht der andere Mensch wichtig ist, sondern ausschließlich die eigenen Empfindungen aus der Kommunikation, das erneute Durchleben eigener Traumata, die Befriedigung eigener Wünsche – und dass es letztlich gleichgültig ist, wer dies ermöglicht, ein lebendiger Partner oder eine Maschine. Einem unbekannten Autor wird der Satz „Der Mensch braucht den Menschen“ zugeschrieben. Unser Projekt möchte der Frage nachgehen, ob dies heute noch zutrifft: Braucht der Mensch den Menschen – oder braucht er lediglich die Befriedigung seiner eigenen emotionalen und sinnlichen Bedürfnisse? Braucht der Mensch heute Liebe, oder sind Liebe, Fürsorge und Aufmerksamkeit lediglich Bedürfnisse, vergleichbar mit Hunger? Und was bedeutet all dies für unser heutiges Verständnis von Liebe, von partnerschaftlichen Beziehungen und vom Wesen dessen, was Menschlichkeit ausmacht?

IDEE UND REGIE – Ivan Strelkin
AUF DER BÜHNE – Yvonne Brandstetter
MUSIK UND RAPPING – Stefan Zotter

8.,9. und 10. Juni 2026

Arche Theater
Münzwardeingasse 2A, 1060 Wien

WO UND WANN